Reisebericht 2008

Besuch „unserer“ Schule in Shimshal, Nordpakistan
August / September 2008

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Dieses Mal machte sich die 1. Vorsitzende (Wilma Rehkugler) in Begleitung ihres Enkels Felix Noll und des 2. Vorsitzenden (Klaus Kiehling) auf die Reise. Von den zwischenzeitlichen politischen Umwälzungen bekamen wir kaum etwas zu spüren. Speziell nicht im hohen Norden, wo Nachrichten eher spärlich ankommen, das allgemeine Interesse daran aber auch nicht besonders ausgeprägt ist.

Erste Gespräche fanden bereits am Tage unserer Ankunft in Pakistan, in Rawal Pindi statt. Mit unserem Vertrauten Bakhtawar Shah und anderen Verantwortlichen des Partnervereins Naw-Bahar wurde besprochen, wie die Qualitätsentwicklung der Schule auf einem hohen Niveau gesichert werden kann. Die Qualität ist bereits sehr hoch, was sich im Jahresergebnis des abgeschlossenen Schuljahres zeigte. Prozen- tual war es das Beste in den nördlichen Gebieten. Nicht nur das stabile und schöne Gebäude findet hier Beachtung, auch die Qualität des Unterrichtes wird überall mit Anerkennung aufgenommen.

Danach ging es dann in den Norden auf dem berühmten Karakorum High Way (KKH), den Indus aufwärts mit einer Übernachtung auf halbem Wege in Kohistan, dann weiter nach Gilgit, dem Ort mit zentraler Bedeutung für Hunza und der Verwaltung der nördlichen Provinz. Nach einem weiteren Tag in Gilgit zur Beschaffung von Ausrüstung und anderen im Dorf benötigten Materials ging es weiter nordwärts. Zu Anfang noch auf dem KKH, später dann auf der abenteuerlichen Jeep-Piste in das über lange Strecken schluchtartige Shimshal-Tal.

Nach etwa 50 km den Shimshal-River aufwärts, dem Passieren von Gletschern, Sechs- und Siebentausendern, erreichten wir am 23. August unser Ziel, das Dorf Shimshal. Wir waren erst einmal reichlich froh, gut und heil angekommen zu sein. Begrüßt wurden wir von zahlreichen Kindern. Es war gerade noch Sommerferienzeit, der Schulbetrieb ruhte bis Ende August.

Noch am gleichen Tag besichtigten wir nachmittags die Schule, die mittlerweile zu- sammen mit dem neuen Lehrerhaus von einer schönen Steinmauer umgeben ist, so dass der gesamte Schulkomplex geschützt ist. Der Zugang ist mit einem abschließ- baren schmiedeeisernen Tor versehen.

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Am darauf folgenden Tag sahen wir uns die Schule, hauptsächlich im Inneren, noch ein- mal intensiver an. Alle Klassenräume und die Halle waren in einem sehr guten Zustand.

Das Lehrerhaus ist komplett fertig gestellt. Wir fanden es sehr gelungen. Es sind vier Räume für jeweils zwei Personen, angeordnet um einen Aufenthaltsraum, eine Gemeinschaftsküche (ausgestattet für Sommer- und Winterbetrieb) und eine kleine Terrasse mit Blick auf die nahe Schule. Finanziert wurde das Haus vom Bundesmi- nisterium für Entwicklungszusammenarbeit.

An diesem Tage wurden noch Besprechungen anberaumt mit Vertretern unseres Partnervereins Naw Bahar Education and Welfare Organisation, der Schulleitung, der Bürgermeisterin und den Dorf-Ältesten.

Um zum Schuljahresbeginn wieder in Shimshal zu sein, machten wir uns alsbald auf den Weg zu den Hochweiden im Pamir. Es war eine anstrengende Trekking-Tour vom 3200 m hoch gelegenen Shimshal zu den knapp 5000 m hoch gelegenen Wei- degebieten. Dort oben befinden sich ab Mitte / Ende Mai bis etwa Ende September überwiegend Frauen und Kinder. Das Leben dort ist hart und entbehrungsreich. Die Steinhäuser sind eher nur Hütten mit teils noch offenen Feuerstellen, teils mit be- helfsmäßigem Rauchabzug durch ein Loch im Dach. Andere verfügen aber auch schon über einen kleinen Ofenherd mit Ofenrohr zur Verbesserung der Lebensqualität. Das Vieh wird morgens auf die kargen Weiden getrieben, die Berghänge hinauf und abends wieder zurück in Pferche, die von Steinmauern umgeben sind. Dort ist es über Nacht geschützt und kann gemolken werden.

Die Milch von Yaks (sehr fettreich), Schafen und Ziegen wird zusammen gemischt und in hölzerne, hohe Butterfässer gefüllt bis Dickmilch entsteht. Daraus wird Butter geschlagen und aus der verbliebenen Magermilch wird relativ fettarmer Käse produ- ziert. Die Käsemasse wird zu faustgroßen Kugeln geformt und auf Holzgestellen oder den Hüttendächern als Wintervorrat getrocknet.

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Trotz der Anstrengung und der kalten Zeltnächte mit Schneefall hielten wir den Besuch für wichtig, insbesondere um den Kontakt zu diesen Menschen zu festigen. Der Aufstieg zu den Sommerweiden ist immer wieder ein Erlebnis. Die grandiose Hochgebirgslandschaft, die Ausgesetztheit, letztendlich auch die körperlich anstrengende Herausforderung – alles ist faszinierend. Kurz vor der Rückkehr ins Dorf stand noch die Durchquerung des reißenden und sehr kalten Shimshal-Flusses an, mit starker Strömung und hüfthoher Tiefe.

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Shimshal im Herbst... ... das Getreide ist geerntet

Die Menschen unten im Dorf kümmerten sich derweil um Felder, Weizen, Gerste, Hafer, Hülsenfrüchte und Kartoffelanbau. Die Saat gedieh recht gut und so war die Ernte in vollem Gange. Sie erfolgt vollständig in Handarbeit wie bei uns zu Großva- ters Zeiten.

Das Dorf erreichten wir am 2. September nachmittags. Am darauf folgenden Tag be- sichtigten wir die Schule im Betrieb. Wir sahen in alle Klassenräume während des Unterrichts. Felix gab Physik-Unterricht in einer der oberen Klassen. Wir führten Gespräche mit den neun Lehrerinnen, den drei Lehrern und dem Direktor.

Wir sahen Stundenpläne und Organisationsrichtlinien ein und gewannen durchweg einen sehr positiven Eindruck vom gesamten Schulbetrieb. Momentan sind 160 Schüler aufgenommen.

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In den oberen Klassen sind noch Kapazitäten frei, da der Unterricht in der alten Schule einfach nicht den Standard und den Platz geboten hat, um allen Mädchen und Buben den Schritt in diese Schule zu ermöglichen. Da Bildung und der Abschluss einer Mittelschule auch in Shimshal immer wichtiger und erstrebenswerter ist, sind es mittlerweile doch zahlreiche junge Menschen, die mit Begeisterung die nun gebotene Möglichkeit wahrnehmen. Zu unserer großen Freude sind die unteren Klassen voll besetzt und bereits in diesem Jahr wurde der Nachwuchs für das neue Schuljahr angemeldet.

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Wir haben nun sechs Lehrerinnen, die alle aus Gilgit kommen. Die Lehrer kommen teilweise auch aus Gilgit, zum Teil aus Shimshal. Hierzu ist nochmals zu sagen, dass wir von Anbeginn Wert darauf legten, gut ausgebildete, hoch qualifizierte Lehrer an der Schule zu haben. Sie erhalten auch eine höhere Bezahlung als der Durchschnitt in der Region.

Nur so war es möglich, Lehrkräfte in dieses abgeschiedene Tal zu „locken“. Einen Anreiz bietet natürlich auch das neue Lehrerhaus. Die Bewohner luden uns zum Tee und bei selbstgebackenen Köstlichkeiten konnten wir uns von der guten Stimmung im Haus überzeugen.

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Bei unseren Gesprächen war natürlich auch die Finanzierung des laufenden Schulbetriebs ein Thema. Wie von Anfang an vorgesehen, zahlen die Eltern Schulgeld für ihre Kinder. Es ist ein Einheitsbetrag, allerdings pro Klassenstufe gestaffelt. Armen oder auch kinderreichen Familien wird das Schulgeld erlassen oder sie zahlen einen ermäßigten Betrag. Dies reicht jedoch nicht für die gesamten Kosten aus und so hoffen wir weiterhin, durch unsere Beiträge und Spenden die restliche Finanzierung des Schubetriebs aufbringen zu können.

Ein längeres Gespräch führten wir überdies mit der Bürgermeisterin, den Dorfältesten und den Vertretern unseres Partnervereins Naw Bahar.

Während unseres Aufenthalts hatten wir das Vergnügen, am Schulfest als Ehrengäste teilzunehmen. Natürlich mussten einige Reden geschwungen werden. Die Feierlichkeiten fanden in der großen Halle der Schule statt. Traditionelle Tänze, Musik und Gesang wurden dargeboten, es war sehr schön zu sehen, was die Kinder unter An- leitung ihrer Lehrer „einstudiert“ hatten. Insgesamt war es für uns wie wohl auch für alle Besucher ein sehr schönes Erlebnis.

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Diese beiden taubstummen Kinder werden an unserer Schule gefördert. Der Stolz und die Freude, an diesem Schulfest teilnehmen zu können ist ihnen ins Gesicht geschrieben.

Mit vielen guten Eindrücken verließen wir Shimshal und begaben uns zunächst wieder nach Gilgit. Hier wurde dann noch das Problem der Schülerbeförderung von den Außendörfern zur Schule gelöst. Nach fachkundiger und gründlicher Prüfung durch Wilma Rehkugler, Bakhtawar Shah und den Jeep-Fahrer Amin wurde ein gut erhaltener und sehr gepflegter Toyota Landrover erworben. Er hat eine Transportkapazität für mindestens 12 bis 15 Schüler und wurde zu einem sehr günstigen Preis erstanden. Diese Anschaffung war möglich durch Spenden zum Tod von Extrembergsteiger Matthias Robl (Erstbesteigung Shimshal Whitehorn 2006) und durch eine Spende der Gemeinde Oberteuringen. Mit einer Aufschrift versehen ist das Fahrzeug zwi- schenzeitlich in Shimshal eingetroffen. Eine sinnvolle Anschaffung, denn gerade im Winter ist der Weg besonders gefährlich und für die kleinsten Schüler nur schwer zu bewältigen.

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Das gekaufte Schulauto vor dem Park-Hotel in Gilgit

Hiermit war dann unsere dies- jährige Aktion „Schule Shimshal“ zufriedenstellend abgeschlossen.

Nun ist die Advents- und Weihnachtszeit nicht mehr weit. Unser Verein wird auch in diesem Jahr Maßnahmen durchführen, um Geld in die Vereinskasse zu bekommen. Es ist aber auch die Zeit der großen Spendenaufrufe.

So möchten auch wir bitten, dass Sie mit Ihrem Mitgliedsbeitrag oder einer Spende das Geschaffene weiterhin unterstützen.

 

Ihre Wilma Rehkugler - Oberteuringen, den 28.10.2008


Spendenkonten des Vereins
 

Sparkasse Bodensee:

IBAN: DE92 6905 0001 0020 1366 44 /// SWIFT-BIC: SOLADES1KNZ

Raiffeisenbank Oberteuringen:

IBAN: DE24 6516 2832 0081 4970 08 /// SWIFT-BIC: GENODES1OTE

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Revision: 07.02.2014 - 11:36