Reisebericht 2006

Bericht zur Fertigstellung und Eröffnungsfeier „unserer“ Schule in Shimshal/Hunza (Pakistan)

Die Schule ist nun wirklich fertig! Und alle, die sie während der feierlichen Eröffnungszeremonie in Augenschein nehmen konnten, waren begeistert. Der deutsche Botschafter, der schon einen Tag vorher aus Islamabad angereist war, meinte sogar, so eine schöne Schule gäbe es weit und breit nicht noch einmal. Er ist seit vielen Jahren ein Kenner der Region und er war nicht nur für die Feierlichkeit ein Gewinn. Die Shimshalis spürten, dass es nicht nur ein Höflichkeitsbesuch war und so war die Begegnung auf beiden Seiten herzlich. Auch wir konnten interessante Gespräche mit ihm führen.

Allgemein wurde die doch relativ kurze Bauzeit von 2 1⁄2 Jahren hervorgehoben.

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Tatsächlich... die Schule ist wirklich fertig!

Nach dem Erdbeben weiter südlich hatten sich beim Bau erhebliche Schwierigkeiten ergeben. Besonders die Materialtransporte von Holz, Zement, Blechen etc. die aus den Regionen weiter im Süden herangeschafft werden mussten, waren stark beeinträchtigt worden, die Preise für Transport und Material teils auf das dreifache gestiegen.

Die ohnehin schon stark gefährdete Jeeppiste in das Shimshal-Tal hinein war es nicht alleine, auch der Karakorum-Highway hatte in Bereichen starke Zerstörungen erlitten.

Im Wissen um diese Probleme hatten wir dann doch unsere Bedenken, dass die Schule zu dem angepeilten Zeitpunkt auch wirklich fertig werden würde.

Dann im Frühjahr doch die Meldung: Die Schule ist fertig und ein Teilbetrieb ist aufgenommen worden.

Der Winter war milde gewesen mit wenig Schnee (auch eine gewisse Erleichterung für die Erdbebengeschädigten weiter im Süden), so dass die Arbeiten gut weiter geführt werden konnten.

Die Schule

Auf einem 80 cm hohen Fundamentsockel, Grundfläche gute 30 x 20 m, in westöstlicher Ausrichtung, einstöckig mit von Hand gespaltenen Granitquadern als Außenmauern errichtet, innen isoliert.

Insgesamt 12 Klassenräume, ein Spezialraum für Chemie- / Physik- experimente, dann Direktoren-, Lehrer- und Bürozimmer, 6 Toiletten. Das alles um die Halle angeordnet, die durch die besondere Dachkonstruktion hell und freundlich ist.
Die Türen und Fenster sind in ordentlicher Handarbeit doppelt verglast.
Die Klassenräume haben nach außen 2 und zur Halle 1 Fenster. In allen Räumen und der Halle sind die Wände und Decken freundlich hell gestrichen.

Im bereits laufenden Schulbetrieb sitzen Buben und Mädchen gemeinsam im Unterricht, wie wir es von Anfang an gewünscht haben.

Das Eröffnungsfest

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Wir sind Ehrengäste

Es fand dem Anlass angemessen in der großen Halle statt. Die Halle, sowie das Gebäude außen waren mit bunten Wimpeln und Transparenten geschmückt. Am Eingang eine pakistanische und eine deutsche Flagge. Die Halle war komplett mit traditionellen Yak-Wollteppichen ausgelegt.

Auf der eigens aufgestellten Ehrentribüne hatten sich etliche Würdenträger aus dem Dorf und der Region, der Aga-Khan und der Naw- Bahar Vertreter versammelt. In der Mitte waren der deutsche Botschafter, die erste Vorsitzende Wilma Rehkugler und der zweite Vorsitzende Klaus Kiehling vom Verein Kinder- und Jugendbildung Shimshal e.V. platziert.

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In voller Halle: Traditioneller Tanze der Buben ...und der Mädchen

Die Halle war mit ca. 400 Personen, Kinder, Frauen und Männer gut gefüllt. Auch dabei waren 4 deutsche Bergsteiger, die zu diesem Zeitpunkt die Erstbesteigung des Shimshal- Withhorns in Angriff nahmen. Was ihnen auch gelang, wie spätere Nachrichten belegten.

Zur Unterhaltung gab es Willkommensgesänge und weitere Musikdarbietungen.
Die Willkommensrede wurde von Daulat Amin gehalten. Er ließ die Geschichte der Einführung des Schulsystems in Shimshal Revue passieren, an der er maßgeblich beteiligt war. Er bedankte sich bei unserem Verein für die Initiative und Hilfe, die den Neubau ermöglicht hatte. 1968 wurde die erste, jetzt viel zu kleine Schule gebaut.

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Die Sekretärin des Partner Vereins Naw-Bahar, Yasmin Karim hielt eine längere Rede. Sie nahm zum Fortgang und der Weiterentwicklung der Schule Stellung. Es ginge nicht nur darum, dass die Schule ein hohes Zertifikat bekommen sollte. Die Schüler sollten hart an ihrer Ausbildung arbeiten um dieses zu rechtfertigen. Des Weiteren erwähnte sie, dass auch in ihrer Organisation die Gelder offen und transparent verwaltet werden und der Verein kontrolliert wird.

Die erste Vorsitzende unseres Vereins, Frau Wilma Rehkugler, bedankte sich in ihrer Rede für die – trotz Schwierigkeiten – rechtzeitige Fertigstellung der Schule. Sie erklärte, dass es nicht damit getan ist dieses Gebäude zu erstellen, sondern dass unser Verein auch weiterhin finanzielle Unterstützung leisten wird, um auch besonders den ganz armen Kindern eine Ausbildung zu ermöglichen. Denn ohne gründliche Ausbildung kann auch in Shimshal niemand in der Gesellschaft bestehen.

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Dank an Bakhtawar Shah für den unermüdlichen Einsatz zur Fertigstellung der Schule
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Auch für die ältere Generation sichtlich ein großes Erlebnis

Sie dankte Bakhtawar Shah, dem 1. Vorsitzenden von Naw-Bahar für den unermüdlichen Einsatz, hier etwas qualitativ Hochwertiges zu schaffen, um den Kindern von Shimshal zu helfen und das Geld unseres Vereins sinnvoll zu nutzen.

Dank ging auch an die Gemeinde von Shimshal für die Bereitstellung des Geländes und an die Arbeiter, die Tag und Nacht beschäftigt waren, das Gebäude in dieser Qualität herzustellen. Sicher werden sich alle Mitglieder und Sponsoren, die das Bild der Schule sehen, mit den Bürgern von Shimshal darüber freuen. Das Geschenk der Gemeinde Oberteuringen wurde offiziell übergeben. Der Geldbetrag wurde schon vorher auf das Naw-Bahar-Konto eingezahlt.

Herr Dr. Mulack erwähnte nochmals in seiner Rede, wie wichtig Bildung für Buben und Mädchen ist, denn nur dann ist das gesellschaftliche und wirtschaftliche Vorwärtskommen eines Landes möglich.

Danach folgten noch weitere Reden von Vertretern der Shimshal Gemeinde.

Zuletzt kam das übliche „Band durchschneiden“ durch die 1. und den 2. Vorsitzenden und Herrn Dr. Mulack. Das Konstruktionskomitee und die am Bau beteiligten Arbeiter erhielten Zertifikate.

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Die "offizielle" Eröffnung

Es war bewegend für alle, bei herrlichem Wetter auf 3.200 m Höhe. In der Umgebung das Dorf, die Getreidefelder, im Hintergrund braune Gebirgshänge und die weißen hohen Gipfel der 6.000er und 7.000er.

Natürlich richtet sich jetzt das Augenmerk aller Beteiligten auf die Zukunft, die Vervollständigung des Mobiliars, der Klassenzimmer und der anderen Räume, die Ausstattung für den Physik- und Chemieunterricht, die benötigten Bücher und anderen Materialien.

Und vor allem die Lehrer: Ein Direktor ist bereits eingesetzt, er vermittelt einen guten und kompetenten Eindruck. Einige Lehrer sind schon vor Ort und Bewerbungen kommen von überall her. Die Qualifikation der Lehrkräfte soll hoch angesetzt werden. Für den vollen Schulbetrieb werden jedoch noch weitere Lehrer gebraucht – und für diese eine Unterkunft, ein Lehrerhaus. Der Platz für dessen Errichtung und die Pläne lagen vor. Diese Pläne wurden bereits im April an das Bundesministerium für Entwicklungszusammenarbeit gesandt. Da letztendlich der Botschafter des Landes solche Anträge beurteilen muss, war es dann doch keine Überraschung, dass der Antrag positiv beurteilt wurde und nun der Bau schon begonnen ist.

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Gemütliche Runde mit dem deutschen Botschfter,
Dr. Gunter Mulack, Vertreter der Aga Khan und Naw Bahar Organisation

Für die Bewältigung der Zukunftsaufgaben, respektive für den Betrieb der Schule ist ein Kooperationsabkommen zwischen der Naw-Baher Organisation und dem Aga Khan Education-Service geplant. Inwieweit diese Aga Khan-Organisation sich finanziell hier einbringen wird ist noch nicht ganz klar. Auf jeden Fall ist eine Unterstützung unsererseits gewünscht, wie wir bei einem Treffen mit Vertretern der beteiligten Organisationen am 13.07.06 in Gilgit erörtert haben.

Abschliessend und angesichts dessen, was wir dort oben im hohen Norden Pakistans gesehen und erlebt haben, kehren wir doch mit der Gewissheit heim, dass durch den Einsatz und den Beitrag aller Mitglieder und Sponsoren des Vereins Kinder- und Jugendbildung Shimhal e.V. etwas Wertvolles geschaffen wurde. Und wir sehen mit Zuversicht einer in die Zukunft ausgerichteten Entwicklung der Kinder und der Jugend, und damit der künftigen Gesellschaft in dieser Region, entgegen.

Bei einer Trekkingtour durch das Ishkuman-Tal zum Wakhan-Korridor und damit zur Afghanischen Grenze konnte Frau Rehkugler feststellen, dass die Bewohner dort ehrfürchtig den Berichten der Begleiter aus Shimshal über die Schule zuhörten. In dem gesamten Gebiet wird Wachi wie Shimshal gesprochen. Eine Mittelschule auch für Mädchen? Das wäre auch ihr Wunsch. Und so wurde darüber gesprochen, dass doch das eine oder andere Mädchen die Möglichkeit hat nach Shimshal in die Schule zu kommen. Als Ismaeliten kommen sie aus dem gleichen Kulturkreis.

Sehr schnell erreicht man den Karumber Pass mit dem Karumbersee. Eine einmalig schöne Landschaft. Unendlich weite Weidegebiete für Ziegen, Schafe und vor allem Yaks und als Panorama die Berge des Hindukusch und des großen Pamirs.

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Auch hier leben die Menschen nur den Sommer über. Sie haben jedoch – im Gegensatz zu Shimshal – keine Möglichkeit in ihrem Dorf Getreide anzubauen. Sämtliche Vorräte für den Winter müssen bis zum Herbst an Ort und Stelle sein.

Durch hohe Pässe in allen Richtungen haben sie keine Gelegenheit heraus zu kommen. Er besteht aus einem riesigen Gletscher, der nie aufzuhören scheint.

Überall wurde von den Hirtenfamilien Joghurt, saure Sahne mit Brot und Tee angeboten. Ein junger Mann fragte wie es denn seiner Schwester gehe. Sehr schnell erkannte Frau Rehkugler den Mann, den sie im Jahr zuvor mit seiner kleinen Schwester und einem Verwandten in Gilgit getroffen hatte. Sie erinnerte sich noch gut wie das kleine Mädchen vor ihr stand und selbstbewusst übersetzen ließ., dass sie in diese schöne Schule nach Shimshal möchte, denn so etwas würde es bei ihnen nicht geben.

Unser Dank gilt allen Mitgliedern und Sponsoren. Wir arbeiten auch weiterhin ohne Verwaltungskosten, um jeden Euro in Shimshal einsetzen zu können. Damit wir unsere Arbeit fortsetzen zu können, sind wir auch in der Zukunft auf unsere Mitglieder und auf Spenden angewiesen.

 

Ihre Wilma Rehkugler


Spendenkonten des Vereins
 

Sparkasse Bodensee:

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Raiffeisenbank Oberteuringen:

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Revision: 07.02.2014 - 11:38
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Auf dem Weg nach Shimshal:
Die ersten Vorereitungen für das Eröffnungsfest
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Die Jeeproad ist zwar seit 2004 fertig, die ersten Brücken wurden aber von den Wassermassen weg geschwemmt
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Shimshal ist bald erreicht...