Reisebericht 2018 - November

Liebe Mitglieder und Förderer unseres Vereins

Es war nicht der schöne Sommer hier am Bodensee, der mich veranlasste, die Reise nach Pakistan zu den Projekten auf September/Oktober zu verschieben.

Das Hauptaugenmerk lag bei dem neuen Projekt „Wohnheim für Mädchen“ in Karimabad. Wie es sich herausstellte, war auch der Besuch unserer Schule in Shimshal ein wichtiger Punkt der Reise.

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Die Mädchen der höheren Klassen können beruhigt in die Zukunft schauen. In dem neuen Wohnheim ist Platz für 80 Mädchen und Frauen, um in Karimabad eine Aus-oder Weiterbildung zu machen.

Die Tatsache, nun zum ersten Mal auf dem neuen Internationalen Flughafen in Islamabad zu landen, machte mich im Vorfeld doch etwas neugierig. Er ist 20 km von der Hauptstadt und 24 km von Rawalpindi entfernt. Aber alles ist sehr gut organisiert, ein Taxidienst brachte mich auf der neuen Straße gut und günstig in die Stadt zum Hotel. Nach einer kurzen Pause dann mit einem PKW in einer Nachtfahrt über den noch offenen Babusar-Pass, weiter nach Gilgit und Karimabad.

Über das neue Projekt „Wohnheim in Karimabad“ wurde ja schon berichtet, auch hatte ich im Laufe des Jahres immer wieder Fotos über den Fortschritt der Bauarbeiten bekommen. Und so führte mich mein erster Tag in Karimabad sofort zur Baustelle. Was in dieser, doch kurzen Zeit von dem Projektpartner geleistet wurde, übertraf dann doch meine Erwartungen.
Die Rohbaumaßnahmen waren so gut wie fertig. Die ganze Konstruktion ist bis ins kleinste Detail gut durchdacht. Alle Stockwerke sind über das sich in der Mitte des Gebäudes befindliche Treppenhaus zu erreichen. Im Untergeschoß rechts, ist die Küche mit angeschlossenem Speiseraum. Links davon das Büro und das Zimmer der Hausdame, die für die Mädchen verantwortlich ist. Sie steht ihnen mit Rat und Tat zur Seite, beaufsichtigt aber auch den Ausgang mit Ab- und Anmelden. Im ersten Stock, auf der linken Seite, befinden sich die Bücherei und der Computerraum und auf der rechten Seite des Treppenhauses die Zimmer der Mädchen. Im zweiten Stock ein Aufenthaltsraum und nochmals Mädchenzimmer, jeweils mit Duschen und Toiletten.

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Besprechung mit dem 1. Vorsitzenden des Partnervereins REDF Wahab Ali Shah (links) und dem Finanzkoordinator Abbas Muhammad in Karimabad.


Im Hilltop Hotel fand dann die Besprechung über die Finanzen statt. Von Abbas Muhammad wurden perfekte Listen über die Ausgaben für Schulgeld, Unterstützung der Studenten und die Kosten für den Bau vorgelegt. Es wurde wirtschaftlich gearbeitet, jedoch ein Qualitätsstandard eingehalten. Was beim Antrag an das BMZ nicht berücksichtigt worden war, sind die Kosten für das Geländer der Balkone und die Mauer um das Gebäude. Eine Kostenkalkulation für diese Maßnahmen wurde mir übergeben, gerade noch rechtzeitig, um den bereits laufenden Aufstockungsantrag beim BMZ zu erhöhen. Der erste Teil war ja die Solaranlage, Möbel für die Räume, Bücher für die Bücherei und Laptops für den Computerraum.

Nachdem ich mit dem dort Geleisteten sehr zufrieden war, freute ich mich auf Shimshal, auf die Menschen, die Schule und was sich sonst so alles getan hat. Shimshal selbst hatte sich schon etwas verändert, das Dorf rüstet sich für den wachsenden Tourismus. Zum größten Teil kommen einheimische Besucher, aber das Gästebuch in der Lodge von Sajjad zeigte, dass nun doch auch Europäer diesen bisher abgeschiedenen Teil der Welt entdeckt haben. Am Tag war das Wetter schön mit Sonnenschein, und so waren die Leute mit der Kartoffel- und Weizenernte beschäftigt.

Die Schule war für ein paar Tage geschlossen wegen Muharram, dem Islamischen Neujahrsfest. Der Kalender umfasst auch 12 Monate mit insgesamt 354 Tagen. (Die Länge kann jedoch variieren). Die Feiertage werden in den unterschiedlichen Konfessionen, besonders von den Schiiten und Aleviten, mit verschiedenen Bräuchen gefeiert. Die Bevölkerung von Hunza und somit auch Shimshal sind Ismaeliten mit ihrem Oberhaupt, dem Aga Khan. Aus Respekt werden aber auch solche Feiertage eingehalten.

In der Schule wurde ich von dem Lehrpersonal und dem neuen Rektor begrüßt. Ein Schulmeister mit großer Erfahrung, der zwar streng, aber doch mit einer bestimmten Güte die Schule führt. In seinem Büro informierte er mich, was er bezüglich des Unterrichtes alles getan hat und was er noch vorhat, und welcher Lehrer für welches Fach zuständig ist. Bezüglich der Räumlichkeiten hat es auch Veränderung gegeben. Die zwei Kindergarten- klassen sind nun im Hauptgebäude, direkt neben dem Büro des Rektors.

Ich selbst habe dies auch für sinnvoll angesehen, denn seit 2 Jahren gibt es in den Teilorten Fermanabad, Kizherabad und Aminabad kleine Kindergärten. Die Allerkleinsten müssen nicht mehr von ihren Müttern zur Schule gebracht werden. Hier sind ebenfalls ausgebildete Kindergärtnerinnen zuständig. In Aminabad ist es Shaista, die über lange Zeit von uns für College und Ausbildung unterstützt wurde. Die letzten 2 Jahre hat unser Verein das Gehalt für drei Lehrerinnen bezahlt.

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Der Kindergarten ist jetzt in der Schule untergebracht Vesperpause

In dem Gebäude, in dem ja schon von Anfang an die Zimmer für Chemie und Physik, ein Computerraum und die Bücherei untergebracht waren, wurden nun noch die Abteilung für Finanzen und ein Raum für Musikunterricht eingerichtet.

Eine große Überraschung für mich war, dass aus den Leitungen des ersten Wasserprojektes unseres Vereins nun wieder Wasser mit großem Druck heraussprudelte. Die Toiletten der Schule sind angeschlossen und die Frauen holen sich das Wasser von den verschiedenen Stellen.

Wie überall auf der Welt ist es die Natur, die darüber entscheidet. Zeitweise war hier kein Wasser mehr vorhanden, nun kommt wieder genügend Wasser von den Quellen und wir hoffen, dass es so bleibt.

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Viel Freude machte der Rundgang durch die Klassenzimmer. Ganz schnell wurde ein Bild von mir gemalt.

Nach anfänglichen Vorbehalten erwies sich die Entscheidung, mit dem Aga Khan Education Service zusammen zu arbeiten, als gut und richtig. Mit der Unterstützung unseres Vereins für das Schulgeld ist ein Unterricht auf hohem Niveau möglich.

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Mit Sue aus Neuseeland besuche ich die Klassen. 


Am 23.09.2018 lädt die Gemeinde zu einem gemeinsamen Essen ein. Es ist alles vertreten, was in Shimshal Rang und Namen hat. Anschließend werden die verschiedenen Themen besprochen, die entweder unser Anliegen oder das der Gemeinde sind. Zuerst geht es um den Unterhalt der Schule, wie trotz des hohen Schulgeldes ein Besuch für alle Kinder und Jugendlichen möglich ist. Wir überweisen ja das Geld an unseren Partner REDF (Rural Education Development Foundation).

Die Anwesenden haben alle bestätigt, dass von dieser Organisation ein Scheck an Shaheen Karim (Bürgermeister) übergeben wird, der dann mit einem Team von 8 Leuten die Unterstützung regelt. Immer wieder wird betont, dass speziell nach besonders armen Familien Ausschau gehalten wird. In der Schule treffe ich eine junge, hübsche Dame, die für die Finanzen zuständig ist und über alles Buch führt.

Ein weiteres, doch sehr ernstes Thema, ist das Eigentum der Schule, mit den angeschlossenen Gebäuden. Seit der Partnerverein Naw Bahar, mit dem damals gebaut wurde, aufgelöst wurde, hat die Schule keinen Besitzer mehr. Nun da AKESP die Leitung der Schule übernommen hatte, strebten sie auch an, alle Gebäude als Besitz übertragen zu bekommen, wofür auch der Rektor Aman und einige Anwesenden plädierten.

Die überwiegende Meinung war jedoch, die Gemeinde, die ja auch das Grundstück zur Verfügung gestellt hatte, müsste der Besitzer sein. Eine heftige Diskussion kam in Gange, die allerdings in Wakhi geführt wurde. Letztendlich liegt die Entscheidung bei unserem Verein. Bei Gesprächen mit dem 2. Vorsitzenden, Herrn Klaus Kiehling, und einigen Mitgliedern, waren wir uns einig, die Schule an die Gemeinde zu übertragen.

Wir werden zeitnah das Schreiben vorbereiten, um die Eigentumsverhältnisse zu klären. Was aber nicht heißt, dass unsere Unterstützung nicht mehr gefragt ist, im Gegenteil, alle Anwesenden baten mich, diese nicht zu stoppen. Ich gab mein Zugeständnis für die nächsten 2 Jahre, die Schule mit abnehmenden Summen zu unterstützen, sofern unsere Finanzen das erlauben.

Ein wichtiges Thema ist das Wohnheim für Mädchen und Frauen in Karimabad, das im Januar 2019 bezogen werden kann. Die Verantwortlichen waren schon in Karimabad, um sich das Gebäude anzuschauen und waren sehr angetan davon. Meine Erklärung, dass nun alle Mädchen davon profitieren können, um eine Weiterbildung zu machen, wurde sehr dankbar aufgenommen. Aber auch die Tatsache, dass dies nun auch für Frauen möglich ist.

Es ist schon spät, als ich ins Gästehaus zurückkehre. In der Zwischenzeit sind 21 Meteorologen eingetroffen, sie wohnen in dem anderen Gebäude, haben ein Küchenzelt und versorgen sich selbst. Der Chef der Truppe erklärt mir, dass von den 21 Leuten immer 7 an verschiedenen Stellen wie am Malanghuti Gletscher, dem Boisam Pass und dem Kordopin Gletscher ihre Geräte aufgestellt haben und Wetterbeobachtungen machen.

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Shimshal im Karakorumgebirge ist umringt von unzähligen Gletschern, links der Khudopin im hinteren Shimshaltal und rechts der schwarze Malanguti Gletscher. Im Hintergrund rechts der Distelgil Shar mit fast 8000 m Höhe. Der Malanguti liegt an der Jeeproad, ca. 10 km von Shimshal entfernt. Meistens ist die Sicht gut, so dass man dieses Panorama bestaunen kann.

 

2 Tage vor meiner Abreise aus Shimshal geht von Haus zu Haus die Nachricht, dass im Dorf ein Braunbär sein Unwesen treibt. Anscheinend ist er vom Karakorum Highway die Jeeproad entlang nach Shimshal gekommen, was die Fußstapfen belegen sollen. Ich konnte es mir schlecht vorstellen, zumal er sich zuerst in Khizerabad, das näher zum Kunjerab Nationalpark liegt, breit gemacht hat.

In den Häusern, die nur im Sommer bewohnt werden und danach für die Lagerung von Vorräten genützt werden, machte er sich über alles her, was ihm in die Tatzen kam, und das war reichlich. Nicht nur, dass er alles zusammen gefuttert hatte, auch die Häuser wurden total zerstört. Entweder er kam durch die Fenster oder durch die Dächer. Er schläft bei Tag und geht in der Nacht auf Wanderschaft. Nun soll er in der Nähe des Yasgil Gletschers sein und Shimshal noch nicht verlassen haben.

Am 2. Oktober dann die Rückreise nach Karimabad und nochmals auf die Baustelle Wohnheim, dann nach Gilgit, und welch ein Glück: am 06. Oktober mit dem Flugzeug zurück nach Islamabad. Nochmals ein Treffen mit Surriya, der Tochter von Bakhtawar Shah, dem Manne, der das Ganze ins Rollen gebracht hatte. Ende 2009 kam er bei einem Unfall auf dem Karakorum Highway ums Leben. Seine Tochter arbeitet für eine chinesische Handelsfirma und ist eine selbstbewusste Dame geworden.

Viel zu früh erreiche ich in der Nacht den Flughafen, Zeit genug, alle Erlebnisse nochmals Revue passieren zu lassen. Diese waren durchweg positiv, und so war es für mich selbstverständlich, die Arbeit für die Kinder und Jugendlichen aus Shimshal fortzusetzen.

Rückblickend kommt die Erkenntnis, dass wir das Ziel Kinder und Jugendlichen eine gute Bildung zu ermöglichen, bestens erreicht haben. Die Anfänge waren nicht gerade leicht, aber durch die Anerkennung und Hilfe von einem großen Gönnerkreis, kamen wir zu diesem Ergebnis.

Wir sind auch weiterhin auf Spenden angewiesen um die Arbeit fortsetzen zu können.

Im November 2018
Wilma Rehkugler


Spendenkonten des Vereins
 

Sparkasse Bodensee:

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Raiffeisenbank Oberteuringen:

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Revision: 25.11.2018 - 22:35