Rundbrief Dezember 2014

Nach anstrengenden Tagen, in denen wir mit der Vorbereitung und Durchführung von Adventsmärkten beschäftigt waren, ist nun etwas Ruhe eingekehrt.

Zeit um das Jahr Revue passieren zu lassen und Ihnen zu berichten. Wir haben einiges erreicht in diesem Jahr, es kam zu anregenden Begegnungen und wir haben interessante Menschen kennengelernt.

Für die vielfältige Unterstützung, ohne die unsere Arbeit nicht möglich wäre, möchten wir uns bei Ihnen bedanken. Für die Zukunft hoffen wir, dass wir auch weiterhin mit Ihrer Unterstützung rechnen können, um den Fortbestand der Schule in Shimshal zu sichern.

 Eine schöne Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest!

Die Reise nach Shimshal

Detaillierte Reisevorbereitungen waren notwendig, denn in diesem Jahr war unsere Reisegesellschaft etwas größer. Zu meiner Freude war ich im ersten Teil meiner Reise in Gesellschaft unseres 2. Vorsitzenden Herrn Klaus Kiehling; Klaus Kiehling hatte sich entschlossen, für drei Wochen nach Shimshal zu reisen.

Meinen restlichen Aufenthalt in Pakistan durfte ich in Begleitung von Margarete und Toni Reiser aus Biberach verbringen, Freunde mit Pakistan-Erfahrung, die bereits 2013 den Norden des Landes erkundet hatten. Mit dabei war Josef Schmeh, der nun schon seine dritte Reise nach Shimshal antrat, in Begleitung seiner Tochter Sylvia.

1. Teil der Reise

Klaus Kiehling und ich trafen uns am Emirates-Schalter in Dubai; er kam von Hamburg und ich hatte den Flug ab München gewählt. Nach angenehmem Flug kamen wir gut in der Hauptstadt des Landes an. Nach einem Tag Rast fuhren wir weiter Richtung Norden, zunächst nach Gilgit. Diese Fahrt ist immer sehr anstrengend, wenn man sie ohne Zwischenübernachtung macht. Wir waren daher erst einmal froh, gut und wohlbehalten in Gilgit angekommen zu sein. Begleitet wurden wir von Wahab Ali Shah, der auch das neue Projekt koordiniert. Auch Surriya, die Tochter von Bakhtawar Shah, hatte sich uns angeschlossen um die Ferien zuhause verbringen zu können. Bei der Bootsfahrt über den Attabadsee - er war vor einigen Jahren entstanden, als ein Felssturz den Fluss aufstaute - stellten wir dann fest, dass sich seit dem letzten Jahr viel getan hatte. Mit chinesischer Hilfe sind Tunnels durch die Felsen gesprengt worden, um den Karakorum Highway auf einer neuen Trasse weiterzuführen. Wahrscheinlich wird schon im nächsten Jahr die Weiterfahrt durchgehend wieder auf dem Karakorum Highway möglich sein. Anscheinend soll ein Teil des Sees als Touristenattraktion erhalten bleiben. Ausländische Touristen sind zwar nicht mehr allzuviele zu sehen, nun haben aber Menschen vom Süden die Schönheit des Nordens entdeckt.

Bei unserer Ankunft in Shimshal dann die große Überraschung: Vor der Schule hatte sich ein Spalier gebildet, das wir durchlaufen mußten und die Kinder streuten Blumen. Nach dem Besuch der Schule kam es zur Zusammenkunft mit den Honoratioren des Dorfes. In zahlreichen Reden gab es Dank und Anerkennung für unser Engagement zugunsten der Bildung von Kindern und Jugendlichen.

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Beim nächsten Besuch in der Schule entdeckte ich Roshan, die in ihrer Weiterbildung von einer Familie aus Reutlingen unterstützt wird. Aus dem schüchternen Mädchen ist eine selbstbewusste junge Dame geworden, die nun in ihren Ferien an der Schule unterrichtet. Bildung für Mädchen war einst die Triebkraft unserer Aktivitäten, nun da 250 Schüler - davon mehr als die Hälfte Mädchen - unsere Schule mit einem Abschluss der 10. Klasse verlassen haben, haben wir diesbezüglich unser Ziel erreicht. Weitere Mädchen und junge Männer werden von Sponsoren unseres Vereins und auch durch unseren Verein bei der Weiterbildung unterstützt.

Die Räume sind voll von Schülern. Zu unserer Freude sind alle Räume der Schule frisch gestrichen, auch die Halle, die Fenster und sogar der Dachaufbau. Ein handwerklich fachkundiger Mann aus Aminabad hatte diese Arbeiten - nur gegen Ersatz der Materialkosten - erledigt. Kindergarten, Bücher für Physik und Chemie und auch der Computerraum: Alles war in einwandfreiem Zustand.

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Wenngleich unser Hauptinteresse auch diesmal dem Fortschritt der Schule galt, waren dieses Jahr auch zwei infrastrukturelle Maßnahmen von besonderer Bedeutung: der Bau des neuen Gebäudes mit der Solaranlage und die Wasserleitung. Die Arbeiten am Neubau „Magazin für die Solaranlage, Magazin für die Schule sowie 2 Zimmer für auswärtige Lehrer“ - gefördert vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - waren zügig vorangekommen. Über den Winter waren schon Vorbereitungen getroffen worden, indem Material wie Zement und Holz aus den tiefer gelegenen Orten herbeigeschafft wurde. Steine wurden hertransportiert und behauen. Die Koordination dieses Projektes lag bei Wahab Ali Shah in guten Händen. Nun, nach der Fertigstellung konnte man sehen, dass alles in guter Qualität ausgeführt wurde. Unterstützt wurde er von Qudrat - er war vor Jahren mein Bergführer über die beiden längsten Gletscher der Erde Biafo und Hispar - sowie einem Team von erfahrenen Bauleuten. Da unser Partnerverein vor Ort im Oktober 2013 eine neue Vorstandschaft gewählt hatte, war es wichtig, diese Leute zu treffen. So gab es verschiedene Besprechungen, in denen wir uns über das weitere Vorgehen zum Wohle der Schule beraten konnten.

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Das Dach wird aufgerichtet
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Das fertige Gebäude

Zusammen mit maßgeblichen Einwohnern von Shimshal waren wir zu einem Essen beim Bürgermeister eingeladen. Auch von seiner Seite aus wurde dankbar die große Bedeutung der Schule hervorgehoben. Gerne nahmen wir auch die Einladung zu einer Hochzeit an. Der Bräutigam, ein Shimshali, lebt nun aus beruflichlichen Gründen in Karachit, seine Frau stammt aus Afghanistan und lebt nun in Kanada. Es freut mich, die Eltern der Braut und ihre Schwestern kennen zu lernen, die extra aus Afghanistan angereist waren. Es ist bemerkenswert, dass Hochzeiten von Shimshalis zumeist in Shimshal stattfinden, auch wenn die Brautleute dafür eine weite Anreise auf sich nehmen müssen.

Die Musiker spielen unentwegt, eine Art Flöte und 2 Trommler. Zuerst tanzen die Älteren, dann die Jungen, was immer bedeutet, dass die Jungen in die Fußstapfen der Älteren treten sollen. Ich bemerke einen jungen Mann mit Bayern-München-Trikot, „Ribery“ steht drauf. Darauf angesprochen meinte er, er sei ein Fan von ihm.

Am 14.06.2014 sind wir zum Picknick eingeladen. Wir stehen früh auf, um pünktlich zu sein. Am Treffpunkt Schule angekommen, dauert es allerdings lang, bis sich etwas tut. Schließlich kommen ein Jeep und drei Traktoren. Sie füllen sich mit Kindern, Buben und Mädchen. Eine ausgelassene Stimmung, da sind wohl die Kinder auf der ganzen Welt gleich. Vorbei am Malanghuti-Gletscher geht es aufwärts. Wir verbringen einen schönen Tag mit Lehrern und Schülern bei herrlicher Fernsicht auf die goßen Berge des Karakorum.

Nach drei interessanten Wochen in Shimshal trat Klaus Kiehling nun die Rückreise an. Ich begleitete ihn wieder nach Islamabad, um dann auch bei der Ankunft der neuen Gäste am Flughafen sein zu können.

Am 17.06.2014 machten wir uns also am frühen Morgen auf die Rückfahrt. Wir verließen Shimshal mit dem Jeep. Auch wenn der See inzwischen soweit abgelassen ist, dass die Boote darauf relativ problemlos fahren können, sollte dies für uns nicht ganz glatt verlaufen: Eine Brücke hatte den Wassermassen nicht standgehalten und so blieb uns nichts anderes übrig als ca. einen Kilometer durch eiskaltes Gletscherwasser zu laufen, um das Boot zu erreichen.

Sehr erfreulich war es, dass wir am nächsten Tag in unserem Hotel in Karimabad Yasmin Karim, die neue 1. Vorsitzende unseres Partnervereins, treffen konnten. Seit unserer letzten Begegnung vor vielen Jahren hat sich viel ereignet. Nun galt es, die neue Situation zu besprechen.

Besprechung mit Yasmin Karim - vorne 1. Vorsitzende, links davon Ainul 2. Vorsitzitzende, rechts von Yasmin Wahahb Ali Shah, unser Projektkoordinator
Besprechung mit Yasmin Karim
vorne 1. Vorsitzende, links davon Ainul 2. Vorsitzitzende, rechts von Yasmin Wahahb Ali Shah, unser Projektkoordinator

Nach der Weiterreise hatten wir nur kurzen Aufenthalt in Gilgit. Von dort ging es über den Babusar-Pass weiter nach Islamabad. Die Entscheidung für diese Route erweist sich dann doch als sehr problematisch. Die Straße ist vom Regen aufgeweicht, auf dem Paß schneit es und nach dem Pass kommen immer wieder Passagen von Flutwasser und Erdrutschen. Und als ob dies nicht genug wäre, erwartet uns vor Islamabad nachts um 1 Uhr noch ein Stau von hunderten von LKWs, die sich in Erwartung eines angekündigten Streiks schon mal in Position gestellt hatten. Aber glücklicher Weise konnte Klaus Kiehling noch sein Flugzeug Richtung Heimat erreichen. Wir verabschiedeten uns am 23.06. am Flughafen in Islamabad. Ich bin sehr froh, dass wir beide gemeinsam die Sache unseres Vereins vor Ort in Shimshal vertreten konnten.

2. Teil der Reise

Mit den Neuankömmlingen Margret und Toni Reiser, Sylvia und Josef Schmeh verbrachte ich zunächst interessante Tage in Lahore, das wir mit einem einheimischen Guide durchstreiften. Bauten aus der Mogulzeit, die Altstadt und ein Besuch bei bei den Sufi Tänzern standen auf dem Programm. Eine an Sehenswürdigkeiten reiche Stadt, die sich jedoch sehr modern und aufgeschlossen gibt.

Da Shimshal mit dem Schulfest auf uns wartete, war uns wichtig, rechtzeitig dort zurück zu sein. Mein Interesse galt natürlich auch dem Neubau der Solaranlage. Ich war doch sehr angetan, was sich da in der Zwischenzeit getan hat. Die Außenmauern stehen bereits. Föhlich gestimmte Arbeiter, allen voran Wahab und Qudrat, zeigen voller Stolz die Baustelle. Zeitweise sind dort 15 Mann beschäftigt; es wird die vorhandene Mauer erweitert und vor Ort werden auch die Steine behauen.

Schulfest bedeutet zugleich Prüfungszeit mit Zeugnissen. Und so wollen wir nicht stören und warten auf die Ergebnisse, die am Schulfest bekanntgegeben werden. Hier erhalten die besten Schüler aus allen Klassen Belobigungen und kleine Preise. Obwohl die Shimshalis als Ismaeliten keinen Ramadan einhalten müssen, wird diese Zeit auch von ihnen respektiert. Man wies darauf hin, dass deshalb das Unterhaltungsprogramm am Schulfest doch etwas kürzer ausfalle. Dennoch gab es schöne Darbietungen und es wurden auch hier zahlreiche Reden gehalten. Bei der Rede von Yasmin Karim, Präsidentin von Naw Bahar, war auffallend, wie sehr sie im Dorf respektiert wird.

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Am Nachmittag des gleichen Tages geht es mit einem Fußmarsch in das hintere Tal, dem Quellgebiet der Wasserleitung zur Schule, einem von uns betriebenen Projekt. Dort hinten im Tal, wo viele Quellen mit sauberem Wasser direkt aus dem Berg kommen, nimmt die Wasserleitung ihren Anfang, und ich darf den Start zum Wasserprojekt geben. Inzwischen ist die Leitung in Betrieb und versorgt unsere Schule mit sauberem Wasser! Herzlichen Dank der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg sowie den Förderern aus Hamburg, die uns hier mit den Erlösen des Adventsmarktes des Kirchenkreises Alt-Hamburg unterstützen.

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Die Wasserleitung ist bereits fertig
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Nun kann man die Hände vorzeigen

Der Bürgermeister lädt nochmals ein und ich freue mich darauf, die Familie von Azahr kennen zu lernen. Die Organisation „Ein Herz für Kinder“ bezahlt - auf Antrag unseres Vereins hin – die Behandlung im Aga-Khan-Universitäts-Krankenhaus in Karachi. Zwar genießt die Familie als Ismaelis dort besondere Wertschätzung. Aber es war klar, dass die Familie die Behandlungskosten aus eigenen Mitteln niemals hätte aufbringen können - hat man doch gerade mal so viel, wie man zum Überleben braucht. Unsere Gruppe teilt sich nun: Margret und Toni machen eine Tour in den Pamir; Sylvia, Josef und ich reisen weiter nach Kaschgar/China. Vor der Abreise kehren wir dann ein weiteres Mal nach Shimshal zurück und besuchen nochmals die Schule und die Baustelle der Solaranlage. Wir kommen gerade zur rechten Zeit, denn es wird aufgerichtet, natürlich in Handarbeit. Da fehlt dann nur noch der Aufrichtschmaus und so kaufen wir zusammen ein Schaf für die Arbeiter, die sich das wohl verdient haben.

Nach den separaten Aktivitäten trifft sich die die Gruppe wieder in Karimabad, um gemeinsam die Rückreise anzutreten. In Gilgit wartet eine besondere Überraschung auf uns: Wir sind bei Yasmin zur Verlobung ihrer Tochter Sherish eingeladen. Wir genießen den Tag bei gutem Essen.

Die gesamte Reise über gab es so gut wie nur Sonnenschein und so bekamen wir auch problemlos einen Flug für die Rückkehr nach Islamabad. Bei schlechtem Wetter hätten wir den Weg über den Karakorum Highway nehmen müssen, was bis zu 16 Stunden und mehr in Anspruch nehmen kann. So aber erreichten wir, vorbei am Nanga-Parbat-Massiv, in nur 45 Minuten Islamabad. Eine gelungene Reise fand so ihren guten Abschluss!

Die Solaranlage

Die Photovoltaikanlage für unsere Schule, in einem abgelegenen Gebiert von Pakistan, erwies sich doch als ein großes Unternehmen. Eine gute Wahl war die Firma p.m. energy GmbH aus Reesdorf, mit der Tochterfirma solar vision in Lahore/Pakistan. Nur die beste Qualität und Ausführung sollte hier zum Einsatz kommen. Per Container wurden die Module und das Tragegestell nach Karachi verschifft. Mit dem Lastwagen dann bis Gilgit, die Module wurden direkt mit einem Hubschrauber der pakistanischen Armee bis nach Shimshal geflogen. Das restliche Material wurde dann per Boot und Kleinlastwagen an Ort und Stelle verbracht. Hier wurde dann die Anlage aufgebaut und die notwendigen Installationen in dem Raum des neuen Gebäudes vorgenommen.

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Aufbau der Sonnenkollektoren... ... bald ist es geschafft!
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Das Montage-Team
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Interessierte Schüler werden über die Funktion der Solaranlage informiert
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Das Batteriesystem ereichte Karachi zu einem späteren, sehr ungünstigen Zeitpunkt. Die Regierung von Pakistan hatte zwischenzeitlich neue Bestimmungen für die Einfuhr von Solaranlagen erlassen. Die Batterien, die wir so notwendig gebraucht hätten, lagerten beim Zoll in Karachi. Dennoch die gute Nachricht: für Pakistan relativ schnell wurde entschieden, dass diese Material freigegeben wurde und einer Fertigstellung nichts mehr im Wege steht.

Vorher mußte jedoch noch bestätigt werden, dass wir diese Anlage für unsere Schule dringend brauchen und wir dort oben ohne Profit - zum Wohle der Kinder - arbeiten.


Ich selbst habe vor im März 2015 wieder nach Shimshal zu reisen um die notwendigen Abrechnungsmodalitäten direkt vor Ort zu tätigen.

Wilma Rehkugler, 1. Vorsitzende


Spendenkonten des Vereins
 

Sparkasse Bodensee:

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Raiffeisenbank Oberteuringen:

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Wenn Sie den Rundbrief als PDF-Datei gerne downloaden möchten...

Shimshal_Rundbrief-2014-Dezember.pdf

Dateityp: .pdf - Dateigröße: 1,2 MB - Revisionsdatum: 21.12.2014 - Downloads: 218

Revision: 22.12.2014 - 13:30
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